Das Werk E-Mail
ImageFür manche schräg und verstörend

Das WERK, vertreten durch Stizz aka Stefan Stürzer, im Gespräch mit dem EUTOPIA-Redakteur Karl Kilian über eine neue Backsteinkunstfabrik, flache Hierarchien, das Scheißen auf Konventionen, idealistische Zusammenarbeit und Moppelkotze.

Lieber Stizz, „das WERK“ beschreibt sich online folgendermaßen: „das werk ist darum bemüht, sein kulturelles Spektrum so breit als möglich zu gestalten, das heißt jegliche Art von internationaler und nationaler Kunst, Kultur und Subkultur wie elektronische Musik, Konzerte, Lesungen, Theaterstücke, Vernissagen, Workshops, Kurzfilme etc., auch in Kooperation mit anderen Vereinen, zu veranstalten.“ Kurz: Ihr kommt ziemlich flachhierarchisch, integrativ und emanzipatorisch rüber. Zugleich macht ihr Tausend+1 Dinge. Vielleicht kannst du noch einmal kurz in deinen Worten sagen, was für dich persönlich „das WERK“ ist.

Also, mit dieser Frage hast du dir die Antwort schon beinahe selbst gegeben, indem du unsere flachhierarchische und integrative Struktur erwähnt hast. Das WERK steht nicht nur für alle Genres der Kunst offen und ist darin aktiv tätig, es bietet zudem auch eine Plattform, die die Künstler_innen nützen, um verschiedenste Kunstrichtungen zu vereinen. Einen großen Stellenwert finden auch Kooperationen bei uns im Verein, klar nach dem Motto: zusammen sind wir MEER. Kurzum, im WERK geht es nicht vorrangig um Geld, sonder darum einen Platz für Künstler_innen zu schaffen indem sie sich nach Herzenslust austoben können.

Ihr arbeitet fächerübergreifend und schert euch nicht viel um Sparten. So gibt’s im Fluc ein Experimentaltheaterstück, gefolgt von einer wüst-wahnsinnigen Elektroband, gefolgt von einem Alleinunterhalter, der zum Toscatenor mutiert, gefolgt von einem Soundtüftler, gefolgt von… usw. - Wer macht bei euch die Auswahl und wie kommen eure Events zustande?

Nachdem wir in jedem Bereich der Kunst agieren, ist es für mich als Veranstalter spannend, herum zu experimentieren. Daraus entstehen solche Abende, in der alle Sparten aufeinander treffen und miteinander verschmelzen. Für manche Gäste sind diese Abende schräg und verstörend zugleich – um nicht Moppelkotze zu sagen – denn wir scheißen dabei auf jede Art von Konvention. Für den Großteil des Publikums jedoch entpuppt er sich als genial und bewusstseinserweiternd. Alles in allem ein Augenöffner.

Ihr legt sehr viel Wert darauf, die Eintrittsgelder so zu kalkulieren, dass auch Studenten, Schüler, Arbeitslose, Präsenzdiener usw. diese Veranstaltungen kostengünstig besuchen können.

Unsere Kunstveranstaltungen sind im wesentlichen gratis. Ausnahmen bilden Partys und Konzerte, bei denen wir um Unkostenbeiträge in der maximalen Höhe bis 5€ ersuchen. Das WERK finanziert sich durchwegs in idealistischer Zusammenarbeit, in der sich ca. 16 verschiedene Nationen (50 Personen Organisation und 200 Künstler_innen) wiederfinden. Aufgrund dieser multikulturellen Fusion wirken wir auch maßgeblich gegen Rassismus.

Stichwort Casino Baumgarten – kannst du uns da was sagen? Inwieweit steckt da das Werk mit drin?

Im Casino haben wir im Sommer 2009 ein Atelier mit Thomas Fritsch eingerichtet. Außerdem ein mehrtägiges Kunstfestival und weitere kleinere Veranstaltungen organisiert. Aufgrund der geplanten Vermietung dieses im Grunde öffentlichen Gebäudes kam es später auch zur Besetzung verschiedenster Gruppen. Wir konnten mit der Bezirksvorstehung einige Kompromisse schließen. Einer davon ist die Errichtung eines Jugendzentrums.

Bitte skizziere kurz ein paar WERK-Konzepte, die in nächster Zeit auf uns zu kommen.

Puhh! Nachdem wir über etliche Veranstaltungskonzepte verfügen und ständig neue dazu kommen, bitte ich die Leser_innen sich auf unsere Homepage www.daswerk.org zu informieren. Kurz zusammengefasst: Clubbings, Konzerte, Vernissagen, Lesungen, Filmabende, Theaterstücke, Installationen, Performances… im Sommer gibt’s wieder Wanderungen und das eine oder andere Open Air. Und natürlich auch wieder alles miteinander Vermischte.

Und als abschließende Frage: Was haben wir 2010 von das WERK zu erwarten?

Selbstverständlich weiterhin kunterbuntes Programm. Und nach drei Jahre langer Suche sind wir endlich fündig geworden. Es wir bald eine neue Backsteinkunstfabrik ins Leben gerufen. Für mich mit Sicherheit die größte Herausforderung in meiner acht jährigen Tätigkeit als Künstler und Veranstalter. Das WERK wird Ateliers, Proberäume, Verlage, Studios, Film- und Fotolabors, Werkstätten, ein Vernetzungscafe, einen Veranstaltungsraum, ein Museum und Grafikbüros beinhalten. Zusätzlich noch jede Menge anderen Platz, den man billig anmieten kann. Eröffnet soll das Ganze spätestens April 2010 werden. Das Projekt wird Gegenwartskünstler_innen nötigen Raum verschaffen!
 
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